Das 6-Etappen-Modell im Naturcoaching – Wie systemische Coachs und Wegbegleiter Wandel erlebbar machen!

Marcel Leeb • 22. August 2026

Warum Veränderung ein Innen und Außen braucht und wie das 6 Etappen-Modell dabei dient


Als Wegbegleiter, Coach oder Berater kennst du das: Klienten stecken fest – zwischen dem Alten und dem Neuen, zwischen Zögern und Aufbruch. Oft zerrissen zwischen der Sehnsucht nach Veränderung und dem Wunsch nach Sicherheit. Sie sehnen sich nach Klarheit und Orientierung, aber auch nach Flexibilität für ihren individuellen Prozess, in ihrem eigenen Tempo.


Ein solches Spannungsfeld der Veränderung verläuft selten geradlinig. Genau hier setzt das Modell der 6 Etappen an – entwickelt in 15 Jahren Naturcoaching-Praxis und ausführlich beschrieben in meinem Buch Naturcoaching. Das Modell führt Klienten wie auf einem Wanderweg durch ihre Veränderung, und verbindet eine innere Landkarte mit einem erlebbaren Übergangsprozess im Außen. So begreifen sie Wandel nicht nur kognitiv, sondern erleben ihn auch körperlich und emotional. Ein Schlüssel für nachhaltigen Wandel.


In diesem Artikel erfährst du:

  • Warum systemisches Coaching in der Natur heute so wirksam ist – als natürlicher Ausgleich zur digitalen Hektik.
  • Wie du Klienten mit den 6 Etappen sicher durch Veränderung führst – und Innen mit Außen verbindest.
  • Wie Methoden, Fragen und Interventionen aus dem Naturcoaching Veränderungsprozesse erlebbar machen.



Warum Naturcoaching? Die Kraft des Draußenseins.


Naturcoaching ist kein Trend, sondern eine Rückbesinnung. In einer Welt, die von digitaler Beschleunigung und künstlicher Intelligenz geprägt ist, bietet die Natur:


  • Regulation des Nervensystems: Naturkontakt beruhigt, Stresshormone sinken und der Parasympathikus (unser „Ruhenerv“) wird aktiviert. 
    (Hüther 2015).
  • Resonanz: Die Natur spiegelt uns mit Symbolen und Metaphern, was in uns selbst schon da ist.
  • Rituale: In der Natur können Übergänge symbolisch erlebt werden – z. B. am Lagerfeuer oder beim Durchschreiten eines „Tors“, das die Natur als Schwelle vom Alten zum Neuen anbietet.


Als Wegbegleiter nutzt du die Natur nicht als Hintergrund oder schöne Landschaft, sondern als aktiven Coaching-Raum. Dein Klient erlebt Veränderung nicht nur im Kopf, sondern mit allen Sinnen. Das Nervensystem macht eine neue Erfahrung und diese neue Erfahrung ist Veränderung.



Zwei klassische Modelle, die Coaching und Wegbegleitung unterstützen – und wo ihre Grenzen liegen


Veränderungsprozesse sind komplex. Klienten kommen oft mit dem Gefühl: „Ich weiß, dass ich etwas ändern muss, aber ich weiß nicht, wie.“ Genau hier setzen Coaching-Modelle an: Sie bieten Struktur und Orientierung und machen vage Gefühle oder diffuse Themen aussprechbar und damit konkret.


Bevor ich zum 6-Etappen-Modell eines Veränderungsprozesses komme, möchte ich auf zwei klassische Coaching-Modelle verweisen, die ihm zugrunde liegen. Dieses Hintergrundwissen dient dem Verständnis des Gesamtkontexts:


Die Heldenreise nach Joseph Campbell

Die Heldenreise nach Joseph Campbell ist eine Art innere Landkarte, ein universelles Muster für Übergänge, das in Mythen, Märchen und Filmen wiederkehrt. Sie beschreibt den Weg einer Heldin oder eines Helden, der:

  1. Seine gewohnte Welt verlässt (z. B. den sicheren Job),
  2. einen Ruf hört (z. B. die Sehnsucht nach mehr Sinn),
  3. sich weigert (Angst vor dem Unbekannten hat),
  4. Mentoren findet (z. B. Vorbilder, die Orientierung geben),
  5. die Schwelle überschreitet (der Punkt, ab dem es kein Zurück gibt),
  6. Bewährungsproben besteht (Scheitern und Wiederaufstehen),
  7. die entscheidende Prüfung meistert (innere Dämonen überwindet),
  8. eine Belohnung erhält (Erkenntnis, Reifung, Wissen),
  9. den Rückweg antritt (seine neuen Erfahrungen integriert),
  10. als Meister beider Welten zurückkehrt (Veränderung im Alltag lebt).


Die Heldenreise ist ein kraftvolles Narrativ und eine schöne Erzähllandkarte. Doch für die Praxis sind ihre 10 Etappen oft zu komplex. Sie beschreibt vor allem das Innere: Was passiert in der Psyche des Klienten? Es fehlt jedoch das äußere Erleben. Hier setzt Arnold van Gennep an.


Das Drei-Phasen-Modell nach Arnold van Gennep

Der Ethnologe Arnold van Gennep (1873 bis 1957) wechselt die Perspektive: vom inneren Narrativ hin zur äußeren Struktur von Übergängen. Denn Veränderung ist nicht nur eine Geschichte, sie ist oft auch ein sozialer und symbolischer Prozess im Außen, der eine rituelle Rahmung und Bezeugung durch Wegbegleiter braucht. Van Gennep unterteilt Übergänge in drei äußere Phasen:

  1. Trennungsphase – Loslassen des Alten (z. B. Abschied vom Job).
  2. Schwellenphase – Das Dazwischen (z. B. Orientierungslosigkeit und Ausprobieren neuer Möglichkeiten).
  3. Reintegrationsphase – Ankommen im Neuen (z. B. eine neue Identität durch einen gelebten neuen Weg).


Dieses Modell ist so wertvoll, weil es vor allem das Dazwischen verständlich macht: jene Phase, in der vieles irritierend, instabil oder ungewohnt ist und genau deshalb besonderes Augenmerk verlangt. Es sieht die Zwischenphase nicht als Störung, sondern als notwendige Schwelle und als Initiation ins Neue.


Van Genneps Modell ist einfach und klar, es bietet ein physisches Durchschreiten von Übergängen, die er vor allem aus Ritualen indigener Kulturen ableitet. Was diesem Modell jedoch fehlt, ist eine innere Dramaturgie und Landkarte, die Veränderungsprozesse Schritt für Schritt bildlich verankert.

Mein 6-Etappen-Modell eines Veränderungsprozesses verbindet beides: die klare Phasenabfolge van Genneps mit der tiefenpsychologischen Landkarte Campbells und macht sie in der Natur erlebbar.



Eine Brücke zwischen Innen und Außen – Das Übergangsmodell der 6 Etappen eines Veränderungsprozesses


In meiner Arbeit als systemischer Coach in freier Natur habe ich immer wieder das Wissen Campbells und van Genneps zur Begleitung von Veränderungsprozessen genutzt. Nach 15 Jahren Begleitung habe ich daraus mein 6-Etappen-Modell destilliert – eine Quintessenz, die Übergänge vom Alten zum Neuen auf die sechs entscheidenden Phasen reduziert.

Dabei verbindet es das Beste beider Welten:

  • Praktisch & erlebbar wie van Gennep: klare, durchschreitbare Phasen.
  • Tiefgründig & innerlich wie Campbell: Transformation durch innere Bilder.
  • Naturverbunden: Veränderung wird durch Naturcoaching sinnlich erfahrbar und damit nachhaltig verankert.


Das 6-Etappen-Modell führt den Menschen wieder zu seinen Wurzeln zurück, nämlich in die Natur. Dabei stellen die sechs Etappen keine starre Abfolge dar, sondern vielmehr eine Erfahrungslandschaft:


1. Was ist, darf sein – Blick auf die Ausgangssituation
Ankommen im Jetzt. Wahrnehmen, was ist, ohne es verändern zu müssen.


2. Zeit, sich zu bewegen – zwischen Zögern und Aufbruch
Das Spannungsfeld zwischen dem vertrauten Alten und dem Neuen, das ruft.


3. Was ich bereits mitbringe – den inneren Rucksack prüfen
Bewusstheit für das, was da ist, und das, was noch entwickelt werden will.


4. Mut zu Neuem – der Sprung ins Unbekannte
Der Schritt raus aus der Komfortzone, hinein in neues Terrain.


5. Gipfelgeschichten – vom Scheitern und Wiederaufstehen
Umgang mit unbekannten Herausforderungen, Misserfolg und Erfolg


6. Zeit der Reifung – die Vollendung des Wandels
Ein Verarbeiten dessen, was gewachsen ist, und Klarheit über das neue, wahre Sein

Naturcoaching: Marcel Leebs Coaching-Modell der 6 Etappen eines Veränderungsprozesses


Die Umsetzung der sechs Etappen in einem Naturcoaching


Stell dir vor, du stehst am Anfang einer Wanderung: Die Schuhe sind geschnürt, dein Rucksack ist gepackt, Wanderkarte und Kompass liegen fest in deiner Hand. Der erste Schritt in eine neue Landschaft liegt vor dir, doch du weißt noch nicht, welche Wege sich öffnen, welche Anstiege dich fordern oder welche Ruheplätze dir Kraft schenken werden.


Die Veränderungsprozesse deiner Klienten sind wie so eine Wanderung: Jeder Schritt bringt neue Erkenntnisse bis etwas Tieferes sichtbar wird: das eigene wahre Sein.


Als Wegbegleiter brauchst du Vertrauen in den Prozess, in dich selbst und in deinen Rucksack voller Ressourcen und Werkzeuge. Das 6-Etappen-Modell eines Veränderungsprozesses ist wie ein gepackter Rucksack, der Proviant für deine Wegbegleitung enthält.


Jede Etappe bietet einen 6-Schritte-Rhythmus. Du entscheidest, welche Schritte du für deine Coachings und Wegbegleitung nutzt.


  1. Metaperspektive – Erfasse die Situation des Klienten und dessen Dynamiken.
  2. Coaching-Modelle – Nutze den theoretischen Kompass im Hintergrund.
  3. Systemische Coaching-Fragen – Erkundet gemeinsam das Terrain.
  4. Interventionen – Ermögliche Perspektivwechsel und vertiefe die Selbstreflexion.
  5. Coaching-Methoden – Arbeite praxisnah, abgestuft nach Erfahrungsniveau.
  6. Naturmeditationen – Integriere und verankere das Erlebte nachhaltig.


 

Der Sechs-Schritte-Rhythmus am Beispiel von Etappe 1:

„Was ist, darf sein – Blick auf die Ausgangssituation“


Kurz vorab: In meinem Buch Naturcoaching findest du ausführliche Anleitungen je nach Erfahrungsniveau zu jeder der 16 Coaching-Methoden. Außerdem erwarten dich 12 Interventionen, 100+ systemische Coaching-Fragen und sechs Naturmeditationen – Hier zeige ich dir sehr vereinfacht ein Beispiel, wie du die erste Etappe sofort in deiner Praxis anwenden kannst.


1. Metaperspektive & Coaching-Modelle

In der Praxis gehen Schritt 1 und Schritt 2 oft Hand in Hand: Die Metaperspektive auf die aktuelle Situation kannst du mit einem theoretischen Modell unterfüttern.


Ziel: Die Ausgangssituation des Klienten klar, vollständig und wertungsfrei erfassen – mit dem Wunsch zu verstehen und den Klienten in seinem Veränderungsprozess zu verorten. Hier kannst du alle drei Modelle nutzen:

  • Van Genneps Drei-Phasen-Modell 
  • Campbells Heldenreise 
  • oder einfach das Modell der 6 Etappen eines Veränderungsprozesses 


2. Systemische Coaching-Fragen

Systemische Fragen laden den Klienten dazu ein, die Ausgangssituation genauer zu beschreiben. Dabei sind Skalenfragen, Irritationsfragen, ressourcen- und lösungsorientierte Fragen und das gesamte Repertoire an Systemischen Coaching-Fragen nützlich.


Hier drei prägnante Fragen für Etappe 1

  • Offene Frage: Welche Themen, Aufgaben oder Entscheidungen warten darauf, angegangen zu werden?
  • Skalenfrage: Wenn du deine aktuelle Lebenssituation auf einer Skala von 1-10 einschätzen würdest – wobei 10 sehr stimmig bedeutet – wie stimmig fühlt sie sich für dich an?
  • Irritationsfrage: Welche konkrete Erfahrung möchtest du auf deinem Weg der Veränderung machen?


3. Intervention: Weiser Ratgeber

Der Perspektivwechsel und die Perspektiverweiterung sind zwei Aspekte, die zu jedem Coaching mit dazu gehören. Sie sollen das ressourcen- und lösungsorientierte Denken fördern und Klienten in Bewegung bringen. Vor allem innen drin.


Solche weisen Ratgeber finden sich direkt in der Natur:

  • Die alte Eiche, unter der man coacht.
  • Der Fluss, auf den man schaut.
  • Ein Tier, das sich gerade zeigt.


Die Perspektive des weisen Ratgebers hilft dem Klienten, neue Einsichten in seine Situation zu gewinnen. Mögliche Fragen:

  • Wie würde dieser weise Ratgeber auf deine Situation schauen?
  • Welche Ressourcen oder Fähigkeiten hat dein weiser Ratgeber, die auch du hast, und die dir jetzt helfen könnten?
  • Welchen besten Rat hätte der weise Ratgeber für dich? 


Naturcoaching Marcel Leeb: Die alte Eiche als weiser Ratgeber


4. Coaching-Methode: Adler-Perspektive
Die Adler-Perspektive ist mehr als eine Methode – sie ist ein Schlüssel zur Metaperspektive, die vielen Klienten erstmalig ermöglicht, ihre Situation ohne Bewertung zu sehen. Warum das so wirksam ist? Weil die Natur als Spiegel dient: Was der Klient im Außen mit Steinen und Ästen legt, ist unbewusst schon lange in ihm angelegt.


  • Ablauf: Der Klient baut mit Naturmaterialien (wie Steine, Äste, Blätter, Moos, Lehm) seine aktuelle Ist-Situation. Auf dem Boden entsteht ein Naturbild. Der Klient verleiht jedem Element eine Bedeutung (z. B. können vier Steine ihn, seine Frau und seine beiden Kinder darstellen).
  • Perspektivwechsel: Der Klient betrachtet und erklärt seine aktuelle Ist-Situation aus der Adler-Perspektive, mit etwas Abstand.
  • Der Coach oder Wegbegleiter stellt konkrete Fragen
  • Was erkennst du, wenn du auf dein Bild schaust?
  • Wer oder was fehlt?
  • Welches Gefühl entsteht, wenn Du darauf blickst?
Naturcoaching: Die Adlerperspektive Buch Marcel Leeb

5. Naturmeditation: Die Kraft des Baumes

Am Ende jeder Etappe lädst du den Klienten zu einer Meditation ein, um die neuen Erkenntnisse zu integrieren. Der direkte Naturkontakt hilft, das Erarbeitete nachwirken und verankern zu lassen – ähnlich wie im Schlaf, wenn das Gehirn Erlebtes sortiert.


Ablauf: Der Klient sucht sich einen Baum, berührt ihn oder setzt sich unter ihn. Durch eine geführte Meditation kommt er mit dessen Stabilität und Verwurzelung in Kontakt.

Ziel: Integration und Verarbeitung – der Klient spürt, was ihn trägt, und verankert seine Ressourcen, die er im Naturcoaching entdeckt hat.

Beispiel-Frage: Was gibt dir in deinem Leben Halt, so wie der Baum verwurzelt ist?



Mehr Wissen, mehr Insights und ein tieferer Einstieg ins systemische Coaching in der Natur


Du möchtest mehr erfahren? Hier drei einfache Möglichkeiten:

  1. Lade dir hier eine kostenlose Naturcoaching-Methode aus meinem Buch herunter.
  2. Hier findest du eine kostenlose Leseprobe zum Buch NATURCOACHING
  3. Das Buch NATURCOACHING – Das Praxis- und Methodenbuch der Wegbegleitung mit 16 Methoden, 12 Interventionen, sechs Naturmeditationen und 100+ Coaching-Fragen ist überall im Buchhandel erhältlich oder direkt beim Business Village Verlag.



Fazit: Ein Modell als Werkzeug für die Praxis


Die sechs Etappen eines Veränderungsprozesses sind:

  • Kein starres Schema, sondern eine Einladung zu individuellen Wegen.
  • Gelebte Praxis mit Methoden, Fragetechniken, Interventionen und Übergangs-Ritualen, die sofort anwendbar sind.
  • Eine Struktur, die dir und deinem Klienten Halt, Orientierung und Sicherheit gibt.


Egal, ob du Einsteiger, Fortgeschrittener oder Profi bist, dieses Modell gibt dir Sicherheit und Flexibilität zugleich in der Begleitung von Veränderungsprozessen.



Dein nächster Schritt:


Bereit, das Modell in der Praxis anzuwenden? Hier sind deine Optionen:

Quellen & Weiterführendes



  • Campbell, Joseph (2011): Der Heros in tausend Gestalten. Suhrkamp.
  • Van Gennep, Arnold (1986): Übergangsriten (Les rites de passage). Campus Verlag.
  • Leeb, Marcel (2026): Naturcoaching – Das Praxis- und Methodenbuch der Wegbegleitung. BusinessVillage.
  • Hüther, Gerald (2015): Biologie der Angst. Wie aus Stress Gefühle werden. Vandenhoeck & Ruprecht.


Über den Autor
Marcel Leeb ist systemischer Coach in freier Natur, Wegbegleiter und Autor. Mit seiner
Masterclass Naturcoaching und Ausbildung zum systemischen Coach in freier Natur unterstützt er Coaches, Berater, Therapeuten und Pädagogen dabei, Veränderungsprozesse naturverbunden und tiefgründig zu begleiten. Sein Buch NATURCOACHING gilt schon jetzt als Standardwerk in diesem Bereich. 
Mehr unter: www.marcel-leeb.de.

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